Eine neue Kolumne von Anna Belova, Gründerin von Forbes DEVAREin Artikel darüber, warum Augmented Reality (AR) zunehmend Teil der neuen Reiseinfrastruktur wird, ist soeben erschienen. Darin erklärt Anna, wie AR die Erwartungen von Reisenden verändert, den physischen Raum in eine Serviceebene verwandelt und warum die Technologie nun den experimentellen Stadium verlässt und im Alltag Anwendung findet.
Sie können den Artikel auf Forbes lesen. werden auf dieser Seite erläutertIm Folgenden veröffentlichen wir den vollständigen Text auch im MyWebAR-Blog, damit Sie ihn einfach speichern und mit Ihrem Team teilen können.
Der Tourismus war schon immer eine Erlebnisbranche, doch heute genügt es Reisenden nicht mehr, einen Ort einfach nur zu sehen. Wichtig ist es, den Kontext zu verstehen und die Geschichte mitzuerleben. Die Welt wird immer komplexer, daher gewinnt die Bedeutung immersiver Technologien, insbesondere Augmented Reality (AR), zunehmend an Bedeutung.
Augmented Reality (AR) erweitert den physischen Raum um eine digitale Ebene und verleiht ihm eine neue Bedeutung. Da sich der internationale Tourismus mit fast 1.4 Milliarden Reisen im Jahr 2024 wieder dem Niveau vor der Pandemie annähert, hat sich der Wettbewerb um Aufmerksamkeit und die Qualität des Reiseerlebnisses verschärft. Die Reisenden erwarten Personalisierung, sofortigen Zugriff auf Informationen und Interaktivität. In diesem Kontext hat AR das Potenzial, ein fester Bestandteil der Infrastruktur des modernen Reisens zu werden.
Raum als digitale Schicht
Die Zeiten, in denen für jede Kulturstätte eine separate App installiert werden musste, sind vorbei. WebAR, das AR-Inhalte direkt im Browser jedes Smartphones startet, hat eine neue Interaktionsform eröffnet. Richtet man die Kamera auf einen QR-Code, erscheint eine zusätzliche Informationsebene.
Auch die Raumwahrnehmung verändert sich. Wenn eine Gebäudefassade ihre Geschichte nicht erzählt, eine Karte statisch bleibt oder ein Souvenir nicht zum Leben erwacht, empfinden digitalaffine Reisende dies möglicherweise als verpasstes Potenzial. Eine Generation, die in einer digitalen Welt aufgewachsen ist, erlebt die Welt als interaktiv. Der Raum muss darauf reagieren. Tourismusunternehmer sollten diese Trends beachten und die Möglichkeiten umfassender betrachten.
Geschichte als Teil des Dienstes
Einer der nachhaltigsten Anwendungsfälle von Augmented Reality (AR) im Tourismus liegt im Bereich der Geschichte. Menschen möchten nicht nur das Erhaltene, sondern auch das Verschwundene sehen. Wie sah diese Straße vor hundert Jahren aus? AR ermöglicht es, die Vergangenheit nicht nur zu rekonstruieren, sondern sie zum Teil des Alltagserlebnisses zu machen. Ruinen können in 3D nachgebaut werden. Alte Viertel erwachen zum Leben.
Laut Research and Markets könnte der globale Markt für Augmented Reality bis 2032 ein Volumen von über 644 Milliarden US-Dollar erreichen. Ein wesentlicher Teil dieses Wachstums dürfte aus den Bereichen Bildung, Einzelhandel und Tourismus stammen. Diese Branchen haben eines gemeinsam: Sie benötigen Kontextinformationen.
Für Städte wird AR zu einem Werkzeug der kulturellen Infrastruktur. Für Museen eröffnet es neue Perspektiven. Und für Tourismusunternehmen bietet es die Möglichkeit, Mehrwert zu schaffen, ohne die räumliche Belastung zu erhöhen.
Die globale Basis ist bereits vorhanden
Eine zentrale Frage, die die Einführung von AR im Tourismus lange Zeit behinderte, war, ob die Nutzer über ausreichend leistungsfähige Geräte verfügten. Diese Frage ist heute beantwortet.
Laut aktuellen Daten nutzen weltweit rund 5.8 Milliarden Menschen Smartphones, und die Gesamtzahl der Smartphones übersteigt 7.5 Milliarden Geräte. Diese Statistik bedeutet, dass etwa 70 % der Weltbevölkerung ein Smartphone besitzen. In den Vereinigten Staaten liegt dieser Anteil sogar bei 82 %.
In der Praxis ist die Infrastruktur für browserbasierte AR bereits in der Hosentasche des Touristen vorhanden.
Was hat die Entwicklung verlangsamt?
Lange Zeit stand die Branche vor einer klaren Hürde. Die Erstellung von 3D-Inhalten erforderte Studios, Designer und Budget. Die Unterstützung mobiler Apps setzte ein eigenes Team voraus. Viele Projekte blieben Pilotprojekte und konnten nicht skaliert werden.
Heute hat sich die Situation geändert. Erstens hat sich WebAR zu einem universellen Veröffentlichungskanal entwickelt. Zweitens hat generative KI die Kosten der Inhaltsproduktion drastisch gesenkt.
Künstliche Intelligenz ermöglicht die Erstellung von 3D-Objekten aus Textbeschreibungen, die Generierung von Animationen und die Anpassung von Materialien an verschiedene Sprachen. Was früher Wochen dauerte, ist heute in deutlich kürzerer Zeit möglich. Gerade im Tourismus, wo Saisonalität und schnelle Markteinführung entscheidend sind, ist dies von großem Wert.
Marketingteams von Hotels, Museen und Stadtverwaltungen können Ideen selbstständig testen. Interaktive Routen, lebendig werdende Postkarten und Navigationssysteme in Ferienanlagen oder auf Kreuzfahrtschiffen können so zum festen Bestandteil der Arbeit werden und nicht nur ein einmaliges Experiment bleiben.
Die nächste Stufe: Tragbare Geräte
Gleichzeitig entsteht ein neuer Technologiezyklus. Intelligente Brillen werden immer leichter und leistungsfähiger. Fortschritte bei energieeffizienten Prozessoren, Cloud-Computing und Computer Vision machen AR-Brillen zu einem technologisch ausgereiften Produkt, und große Unternehmen sprechen bereits zuversichtlich davon, dass sie bis 2030 zum Alltag gehören werden. Inhalte, die heute für Smartphones erstellt werden, können morgen mit minimalen Anpassungen auf Brillen abgespielt werden.
Für Unternehmen könnte dies weitreichende Folgen haben. Das Konzept der phygitalen Erfahrung wird sich voraussichtlich als Standard etablieren. Die Frage ist, wie schnell wir uns an die neue Realität anpassen können, die sie bereits heute schafft.
Die Ökonomie messbarer Erfahrungen
AR im Tourismus ermöglicht messbare Szenarien. Mithilfe von AR lassen sich Nutzerinteraktionen, Verweildauer und die Beliebtheit von Routen verfolgen. Man sieht, welche Rekonstruktionen bis zum Ende angesehen werden, wo Touristen ihre Route ändern und welche Angebote zu Ticketkäufen führen. Man erkennt, welche immersiven Szenen in AR-Katalogen Buchungen für Touren, Kreuzfahrten und mehr generieren. Städte erhalten so Daten zum Touristenverhalten an bestimmten Orten. Diese Analysen ermöglichen es, besser zu verstehen, wie Menschen im realen Raum Entscheidungen treffen.
Wo AR im Reiseverkehr Grenzen hat
Augmented Reality (AR) gewinnt zwar zunehmend an Bedeutung, stößt aber auch auf einige Einschränkungen, die es zu berücksichtigen gilt. AR eignet sich nicht für jede Reisesituation, und die größte Hürde ist die Bedienungsfreundlichkeit. Bei schwacher Verbindung, schlechten Lichtverhältnissen oder älteren Geräten kann die Nutzung langsam oder unzuverlässig wirken. Auch die Standortbestimmung und -verfolgung sind nicht perfekt, insbesondere in Innenräumen oder dicht besiedelten Stadtgebieten, wo GPS-Empfangsstörungen auftreten.
Auch der Sicherheitsaspekt spielt eine Rolle. In belebten Straßen, Verkehrsknotenpunkten oder im Freien möchte man Menschen nicht dazu animieren, beim Gehen auf einen Bildschirm zu starren. In solchen Situationen sollte AR optional und ressourcenschonend sein oder ganz vermieden werden.
Eine weitere Einschränkung ist operativer, nicht technischer Natur. AR-Inhalte sind dynamisch und benötigen daher regelmäßige Wartung: Genauigkeit, Übersetzungen, Aktualisierungen nach Renovierungen, Routenänderungen, neue Öffnungszeiten und saisonale Angebote. Werden die Inhalte nicht aktuell gehalten, sinkt das Vertrauen schnell.
Da Tourismus ein globales Phänomen ist, spielen Datenschutz und Compliance eine entscheidende Rolle. Unternehmen, die im Rahmen von AR-Anwendungen Daten erheben, müssen transparent und verantwortungsbewusst handeln, insbesondere wenn Familien und Schulgruppen zu den Zielgruppen gehören.
Fazit
Der Tourismus ist eines der prädestinierten Anwendungsgebiete für Augmented Reality. Er war schon immer reich an Geschichten, Emotionen und Entdeckungen. AR verstärkt diese und verwandelt den Raum in eine interaktive Schnittstelle.
Wir befinden uns heute in einer Phase, in der die Technologie zugänglich geworden ist und Werkzeuge zur Inhaltserstellung dank KI demokratisiert wurden. Wearables können neue Horizonte eröffnen. Augmented Reality in Smartphone-Browsern ermöglicht Skalierbarkeit.
Die beste Augmented Reality im Reisebereich verhält sich wie eine Dienstleistung. Sie reduziert Verwirrung, liefert Kontext und hilft bei der Entscheidungsfindung. Die Zukunft des Tourismus liegt wahrscheinlich in einer virtuellen Erweiterung der Realität, die Reisenden eine zusätzliche Bedeutungsebene über die physische Welt hinaus bietet.

